Perhentian Islands

Wir haben hier zum ersten Mal hautnah erlebt, was malaiische Stunden sind. Später haben wir auch die malaiischen Kilometer kennengelernt aber dazu kommen wir in einem anderen Kapitel. Dies ist die Geschichte einer Horrornacht im Bus und zweier völlig überfüllten Inseln.

Wir haben den kompletten Trip von Langkawi bis zu den Perhentians beim Chief gebucht. Er war so nett und hat noch die einzelnen Fähr- und Busanbieter kontaktiert um für Bela kostenlose Fähren und den halben Preis im Bus durchzuboxen.

Mit der Fähre ging es auf’s Festland um dann nach etwa zweistündiger Wartezeit in den Nachtbus zu steigen. Unser Bus war vergleichsweise modern und in einem guten Zustand was, glauben wir, den Fahren noch mehr ermutigt hat, auf das Gaspedal zu treten. Eine Busfahrt in Malaysia darf man nie unterschätzen, viele Busse sind alt und schlecht gepflegt und die Fahrer fahren oft, als sei der Bus ein Supersportwagen. Wir haben schon von einigen Unglücken gehört und waren deshalb auch diesmal nervös. Jenni hat dem Fahrer beim Einsteigen noch mal ins Gewissen geredet und darum gebeten langsam zu fahren, da sich auch Kinder an Bord befänden. Vergebens.
Nach etwa vierstündiger Schaukelfahrt quer durch das Land, in der der Fahrer die G-Kräfte eines Raketenstarts simulieren wollte, wurden wir aufgefordert den Bus zu verlassen. Wir müssen umsteigen, hieß es. Unser Gepäck läge schon im nächsten Bus, hieß es. Alles in Ordnung, hieß es. Nach mehrmaligen Nachfragen durften wir uns persönlich davon überzeugen, dass auch wirklich alle Gepäckstücke im nächsten Bus liegen. Auch die anderen Passagiere auf dem Weg auf die Perhentians waren mehr als verwirrt.
Als wir dann im neuen Bus saßen, wurde die Hoffnung, dass der neue Fahrer etwas besonnener Fährt schon in der ersten Kurve zunichte gemacht. Hinzu kam, dass der Fahrer die Klimaanlage auf 16 Grad eingestellt hatte. Es war kalt, alle froren und auf die Frage, ob er die Anlage bitte etwas hochdrehen könne, bekam Jenni nur die Antwort: „It is never too cold!“
Diese zehnstündige Busfahrt werden wir nie vergessen: Die Ankunft in Kuala Besut, in der die Boote zu den Perhentians starten, war eine Erlösung. Der Busfahrer ist nicht eingeschlafen, wir sind aus keiner Kurve geflogen und auch nicht erfroren! Diese Fahrt sollte insgesamt sechs Stunden dauern, womit wir bei den malaiischen Stunden wären. Die gesamte Busfahrt dauerte zehn(!!!) Stunden.

Auf die Perhentians ging es dann zwei Stunden später, nachdem wir uns mit billigem Kaffee im Büro den Reiseveranstalters aufwärmen durften.
Das „Speedboat“ - eigentlich ein ganz normales, altes Fischerboot mit zwei viel zu kräftigen Motoren ausgestattet - brachte uns in einem Mordstempo vom Festland auf eine der beiden Inseln. Dort angekommen, mussten wir uns erst einmal eine Unterkunft suchen. Was wir nicht wussten war, dass die Inseln fast ausgebucht waren und wir erst einmal herumtelefonieren und -laufen mussten um noch etwas zu finden. Das besondere an den Inseln ist nämlich, dass es keine Straßen gibt und man von A nach B nur mit einem Wassertaxi kommt. Wir hatten etwas Glück und haben an unserem Ankunftsort eine nette Unterkunft, die etwas überteuert und auch nur für zwei Nächte zu haben war, allerdings konnten wir vorerst bleiben und schon mal in Ruhe Unterkünfte für die folgenden Nächte abklappern.

Die folgenden Tage verbrachten wir mit schnorcheln (eine mannesgroße Meeresschildkröte sehen: check!), Kanufahren auf dem Meer und schönen Abenden am Strand, bevor wir die Insel und die Unterkunft wechselten.

In der neuen Unterkunft lernten wir dann Matthias und Claudia mit ihrer Tochter Pina (8) kennen. Wir verbrachten vier Nächte zusammen auf den Perhentians und gingen schnorcheln (Luke ein paar mal tauchen) und freundeten uns an. Wir erzählten ihnen, dass wir von der schönen Insel Kapas, nicht weit südlich von hier gehört hatten. Wir beschlossen gemeinsam nach Kapas zu reisen bzw. uns dort wieder zu treffen, da die drei einen Tag früher abreisen mussten.

Matthias und Claudia sind erfahrener Wanderer, die schon öfter in Malaysia, auch auf Borneo, waren.

Dies ist aber Teil des nächsten Kapitels.